Die Auseinandersetzung mit Dekolonisierung und der kritischen Reflexion von Sammlungs- und Dokumentationspraktiken hat im GLAM-Sektor an Bedeutung gewonnen. Aufbauend auf der Provenienzforschung zu NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern rücken zunehmend auch koloniale Kontexte in den Fokus verschiedenster Museums- und Sammlungstypen. Vor diesem Hintergrund gründeten mehrere Schweizer Gedächtnisinstitutionen 2022 die Arbeitsgruppe «Critical GLAM», um ein praxisorientiertes Handbuch für eine rassismuskritische Dokumentationspraxis zu erarbeiten.
Das Handbuch richtet sich an Mitarbeitende in Dokumentation, Sammlung und Archiv und legt in seiner ersten Version einen Schwerpunkt auf koloniale Formen von Rassismus, insbesondere Anti-Schwarzen-Rassismus. Es zeigt auf, wie Dokumentationsprozesse historische Narrative prägen, Selektionsmechanismen verstärken und Repräsentation sowie Teilhabe beeinflussen. Beiträge aus der Forschung ordnen diese Herausforderungen in den breiteren Diskurs der Dekolonisierung ein und beleuchten die historischen kolonialen Prägungen von GLAM-Institutionen.
Auf Basis der ICOM-Richtlinien bietet das Handbuch Orientierung im Umgang mit sensiblen Begriffen, historischen Bezeichnungen und kolonial geprägten Wissensordnungen. Es formuliert praktische Handlungsoptionen, macht auf strukturelle Verzerrungen aufmerksam und unterstützt Institutionen dabei, ihre Praxis kontinuierlich zu reflektieren. Als offenes Instrument soll es langfristig zu einer inklusiveren, diskriminierungskritischen und gesellschaftlich verantwortungsvollen Dokumentationsarbeit beitragen.
| Persistent URI: | https://commons.nfdi4objects.net/resources/1a8b5c5b-8bb3-443f-8b35-cfcdce987e80/ |
| DOI: | 10.5281/zenodo.17657486 |
| Lizenz | Creative Commons Attribution 4.0 (CC BY 4.0) |
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